Die Geschichte unseres Unternehmens
Jens Eilers

Geschäftsführer und Erzähler.
Am 3. Oktober 1900 öffnete mein Urgroßvater Wilhelm Stettin zum ersten Mal die Tür seines Geschäftes für die Kunden. Mein Name ist Jens Eilers und zusammen mit meiner Mutter Annegret Eilers, geb. Stettin, führe ich heute unser Familienunternehmen. Der ersten Firmensitz war noch in der Bismarckstraße, schräg gegenüber vom heutigen Standort. Als mein Urgroßvater sein Unternehmen eröffnete, tat er dies in einer Stadt, die durch den Flottenausbau des Kaiserreichs expandierte. Offenbar hat er seinen Job gut gemacht, denn 9 Jahre später konnte er unseren heutigen Firmensitz erwerben und 1910 an den Bismarckplatz umziehen. Während das Kaiserreich seine Flotte baute, wurde auch das Geschäft weiter ausgebaut und – unter tätiger Mithilfe seiner Ehefrau Anna – seit 1905 die nächste Generation großgezogen.

Hier haben wir einmal einen kleinen Einblick wie in den ersten Jahren die Dekorationen aussahen und welche Sortimente damals wichtig waren. Wer heute in die Schaufenster von Juwelieren schaut, sieht in erster Linie natürlich Schmuck und Armbanduhren, Trauringe und Verlobungsringe. Die Trauringe waren schon damals wichtig (immerhin fanden sie sich schon im Firmennamen wieder), doch waren zum Beispiel Bestecke und die sogenannten Korpuswaren – also silberne Kerzenleuchter und Schalen – noch wichtige Artikel. Auch Großuhren vom Wecker bis zur Standuhr waren bedeutende Sortimente und noch hatte die Armbanduhr die Taschenuhren nicht verdrängt.
Die nächste Generation: Mit Ernst Stettin bereitet sich in den 1920er Jahren die nächste Generation darauf vor, in das elterliche Unternehmen einzutreten. Wäre es nach dem Willen von Wilhelm Stettin gegangen, wäre Ernst Goldschmied geworden. Doch das gefiel dem Jungen so wenig, dass er die Lehre abbrach und sich selbst um einen Lehrplatz zum Uhrmacher kümmerte. Vermutlich dürfte das einige hitzige Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn provoziert haben, doch schließlich durfte Ernst seine Stelle bei Uhrmachermeister Stührenberg in Blumenthal antreten. Von dort brachte er dann nicht nur den Titel eines Uhrmachers mit heim, sondern auch auch seine Frau Elfrieda, die aber zeitlebens immer nur Elfe genannt wurde.
1935 übergab Wilhelm Stettin das Unternehmen dann an Sohn Ernst und seine Frau. Unruhige Zeiten, doch das erneute Flottenbauprogramm bescherte Wilhelmshaven auch einmal wirtschaftlich gute Zeiten. Im August 1939 kam dann mit Tochter Annegret eine weitere Generation zu Welt. Kaum jemand ahnte, dass es auch die letzten Tage im Frieden sein sollten. Elfe Stettin notierte dazu: „Doch die schönen, ruhigen Tage dauerten nicht lange, denn der Krieg gegen Polen aus und am 3. September erklärte England uns den Krieg. Noch am selbigen Tag brachte uns der Vati mit Kinderwagen, Kinderbett, Badewanne usw. im Auto ins Elternhaus nach Rönnebeck. In gleicher Nacht war zweimal Fliegeralarm.“
1943 war die gute, alte Zeit dann endgültig vorbei. Bei einem Fliegerangriff wurde das Geschäftshaus von einer Bombe getroffen und zerstört. Ein Schicksal, das auch die beiden Ausweichquartiere erlitten und so ging es nach dem Ende des Krieges erst in einer Wohnung in der Bismarckstraße weiter. 1948 wurde der der Grundstein für den Wiederaufbau des Geschäftshauses gelegt und ab 1949 ab es wieder ein Juweliergeschäft Stettin am Bismarckplatz. Es folgten die Jahre des Wirtschaftswunders und nach und nach konnte das Geschäft wieder wachsen.


1948 beginnt dann der Wiederaufbau und ab 1949 gibt es uns wieder an der gewohnten Stelle. Spannend sind die zum Teil noch vorhandenen Rechnungen für den Neubau: 1 Maurerstunde = 1.36 Mark, 1 Zimmererstunde = dito, 1 Lehrlingsstunde = 1,01 Mark, 1 Gespannstunde für den Transport von Heizkörpern =3,56 Mark!
Hier fehlt noch was! Aber keine Sorge, das kommt in Kürze!
1961 trat dann der junge Uhrmachermeister Dedo Eilers seine Stelle in unserem Unternehmen an. Sicher ahnte mein Großvater nicht, daß er mit diesem netten Meister, der frisch aus der Schweiz zurückkehrte, seinen zukünftigen Schwiegersohn einstellte. Aber genau das war der Fall. Meine Eltern heirateten 1963 und 1967 kam ich zur Welt. 1970 erfolgte dann die Übergabe des Unternehmens an meine Eltern. 18 Jahre später wurde dann mit dem nächsten Umbau das Geschäft deutlich vergrößert und auf seine heutige Größe gebracht. Der Umbau war damals der Sprung in das sprichwörtliche kalte Wasser, sein Entwurf brach mit der bei Juweliergeschäften üblichen Abschirmung des Innenbereichs nach außen und setzte auf eine klare, offene Gestaltung. Mit dem Umbau begann auch meine Zeit im Unternehmen, oder anders gesagt: meine erste Handlung war der Abriss des alten Ladens. Die folgenden Jahre hätten toll sein sollen und waren doch eher düster. In kurzer Folge starben zuerst Ernst und Elfriede Stettin und schließlich 1995 nach langer Krankheit mein Vater Dedo Eilers.


Im Jahr 2000 konnten wir das 100-jährige Jubiläum feiern und 2016 haben wir unserm Geschäft wieder einen großen Umbau spendiert. Das offene Prinzip haben wir erhalten, doch dieses Mal mehr auf eine Gestaltung gesetzt, die die Gemütlichkeit eines Wohnzimmers mit den Anforderungen eines Juweliergeschäftes verbinden sollte. Ist uns das gelungen? Warum schauen Sie nicht einmal vorbei und urteilen selbst? Wir freuen uns auf Sie!
